Zwei Zusammenbrüche innerhalb von nur vier Tagen. Das reicht, um ganz Fußball Deutschland kurz den Atem anhalten zu lassen.
Jamal Musiala, der Star des FC Bayern München, sackte erst im Spiel gegen RB Leipzig und wenig später auch gegen den 1. FC Heidenheim mitten auf dem Rasen zusammen.
Was zunächst wie ein einmaliger Ausrutscher wirkte, entpuppte sich schnell als etwas, das genauer erklärt werden musste. Was steckt wirklich dahinter, wie geht es Musiala heute und was bedeutet das für seine Karriere? Genau darum geht es in diesem Artikel.
Was ist bei Jamal Musiala passiert
Stell dir vor, du stehst mitten im Stadion, tausende Augen sind auf dich gerichtet, und plötzlich sackst du einfach zusammen.
Genau das erlebte Musiala gleich zweimal. Beim Testspiel gegen RB Leipzig ging er zu Boden, wenige Tage später wiederholte sich die Szene beim 4:2 Erfolg gegen den Zweitligisten Heidenheim, wie auch der Bericht der Sportschau schildert. Beide Male eilten sofort Mitspieler und medizinisches Personal herbei. Beide Male konnte der 23 Jährige das Feld nach kurzer Behandlung selbstständig verlassen.
Kein Wunder, dass danach viele Fans besorgt waren. Ein junger Ausnahmespieler, der einfach umkippt, das wirkt erstmal beunruhigend. Musiala selbst spürte diese Sorge offenbar auch und meldete sich deshalb noch am selben Abend persönlich zu Wort.
Absencen: Was hinter der Diagnose wirklich steckt
Auf Instagram erklärte Musiala offen, dass bei ihm eine neurologische Dysfunktion festgestellt wurde, die zu sogenannten Absencen führt. Klingt kompliziert, ist im Kern aber gut erklärbar.
Absencen sind eine Form epileptischer Anfälle. Anders als bei den Bildern, die viele im Kopf haben, wenn sie an Epilepsie denken, gibt es hier keine Krämpfe und kein Stürzen im klassischen Sinn. Stattdessen kommt es zu kurzen, oft nur wenige Sekunden dauernden Bewusstseinspausen.
Was während einer Absence im Körper passiert
Während einer Absence bleibt der Blick für einen Moment leer, die betroffene Person reagiert nicht auf Ansprache, und dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Manchmal begleiten kleine Bewegungen wie Lidflattern das Ganze, wie unter anderem beim ZDFheute näher erläutert wird.
Das Entscheidende dabei: Im Gegensatz zu anderen Anfallsformen hinterlassen Absencen keine bleibenden Schäden im Gehirn. Sie sind belastend, keine Frage, aber sie sind kein Anzeichen für eine fortschreitende oder lebensbedrohliche Erkrankung.
Man kann sich das ein bisschen wie einen kurzen Systemabsturz vorstellen. Der Rechner friert für einen Moment ein, dann läuft alles wieder normal weiter. Genau das macht Absencen auf ihre Art auch beherrschbar.
Wie stehen die Heilungschancen für Musiala
Die gute Nachricht zuerst: Musiala selbst betonte in seinem Statement, dass es ihm gut gehe und über die Anfälle hinaus kein zusätzliches gesundheitliches Risiko bestehe.
Das deckt sich mit dem, was Neurologen zu dem Thema sagen. Laut Prof. Peter Berlit lassen sich 80 bis 90 Prozent der Betroffenen medikamentös erfolgreich behandeln. Das ist eine Quote, die Hoffnung macht, findest du nicht auch?
Medikamente als Schlüssel zur Kontrolle
Die Behandlung setzt in erster Linie auf Antiepileptika, die die elektrische Aktivität im Gehirn stabilisieren. Ergänzend dazu spielen regelmäßige EEG Kontrollen eine wichtige Rolle, um den Verlauf im Blick zu behalten.
Auch typische Auslöser wie starker Stress, Hitze oder Schlafmangel gilt es künftig möglichst zu vermeiden, wie auch SPOX berichtet. Bei guter medikamentöser Einstellung ist meist ein weitgehend normaler Alltag möglich, Sport eingeschlossen.
Wichtig ist dabei vor allem Geduld. Ärzte gehen üblicherweise erst nach mehreren Jahren ohne weitere Anfälle davon aus, dass eine Medikation schrittweise reduziert werden kann. Kurzfristig heißt das für Musiala also: dranbleiben, konsequent behandeln lassen und dem Körper Zeit geben.
Karriere geht weiter, sagen Verein und Ärzte
Für viele Fans dürfte die spannendste Frage sein, ob Musiala seine Weltklasse Karriere in gewohnter Form fortsetzen kann. Sowohl der FC Bayern als auch die behandelnden Mediziner gehen fest davon aus, dass genau das möglich ist, sobald die Anfälle medikamentös unter Kontrolle sind.
Auch ein von Ärzten befragter Neurologe äußerte sich laut dem Schweizer Portal Blick zurückhaltend optimistisch: Fußball spielen sei für Musiala weiterhin möglich.
Interessant ist dabei ein Punkt, der oft übersehen wird. Bei Sportarten mit besonders hohem Risiko im Fall eines kurzen Aussetzers, etwa Motorsport oder Bergsteigen, wäre die Situation deutlich heikler zu bewerten.
Im Fußball dagegen, wo ein kurzer Moment der Abwesenheit selten unmittelbar gefährlich wird, sehen Fachleute deutlich weniger Grund zur Sorge.
So reagierten Verein, Mitspieler und Öffentlichkeit
Was viele nicht wussten: Die Bayern Führung war schon vor der öffentlichen Bekanntgabe informiert. Sportvorstand Max Eberl machte deutlich, dass man beim Verein Bescheid wusste und Musialas Einsätze medizinisch umfangreich abgesprochen und freigegeben waren, wie t-online berichtete. Das zeigt: Hier wurde nichts überstürzt, sondern eng mit Fachärzten abgestimmt.
Auch aus der Kabine kamen klare Signale. Mitspieler wie Harry Kane und Manuel Neuer zeigten sich von der Häufung der Vorfälle sichtlich geschockt, machten aber gleichzeitig unmissverständlich klar, dass Musiala auf ihre volle Unterstützung zählen kann.
Genau diese Rückendeckung dürfte für den jungen Nationalspieler in den kommenden Wochen mindestens so wichtig sein wie die medizinische Behandlung selbst. Wer schon einmal in einer schwierigen Situation gemerkt hat, wie viel ein starkes Umfeld ausmachen kann, weiß, wovon hier die Rede ist.
Wie geht es kurzfristig weiter
Offen bleibt aktuell, ob Musiala bei den nächsten Pflichtterminen auflaufen kann. Sowohl der Supercup gegen Borussia Dortmund als auch der Bundesliga Auftakt gegen den VfB Stuttgart stehen unmittelbar bevor, eine endgültige Entscheidung über seinen Einsatz ist bislang aber nicht gefallen.
Auch der Deutsche Fußball Bund hat sich mit Blick auf die anstehenden Länderspiele unter Bundestrainer Jürgen Klopp bisher noch nicht offiziell geäußert.
Das ist nachvollziehbar. Bei einer frischen Diagnose braucht es Zeit, um die passende medikamentöse Einstellung zu finden, bevor überhaupt über den nächsten Kaderplatz entschieden wird. Geduld ist hier von allen Seiten gefragt, von den Ärzten, vom Verein und nicht zuletzt von Musiala selbst.
Ein Schockmoment mit vorsichtig positivem Ausblick
Zwei Zusammenbrüche binnen weniger Tage lassen niemanden kalt, das ist völlig verständlich. Trotzdem zeigt der Blick auf die medizinischen Fakten, dass die Situation weniger dramatisch ist, als sie im ersten Moment wirkte. Absencen sind gut erforscht, in den allermeisten Fällen erfolgreich behandelbar und hinterlassen keine bleibenden Schäden.
Musiala selbst wirkt gefasst, offen und optimistisch, der Verein steht geschlossen hinter ihm, und auch die medizinischen Einschätzungen machen Mut.
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie schnell die Behandlung anschlägt. Die Zeichen deuten aber klar darauf hin, dass Jamal Musiala schon bald wieder dort steht, wo er hingehört: auf dem Rasen, in Höchstform.
Datum: 19. August 2026 / Zuletzt aktualisiert: 19. August 2026